Digital Smile Design im Dentallabor: vom Foto zum Mock-up
Wie ein Dentallabor Digital Smile Design umsetzt: nötige Fotos und Scans, natürliche Proportionen, 3D-Wax-up, Mock-up und geplante Zahnfleischkorrekturen.
Digital Smile Design wird oft als Software verkauft. Im Labor ist es ein Ablauf: die richtigen Unterlagen sammeln, Zähne konstruieren, die zum Gesicht des Patienten passen, und den Vorschlag im Mund testen lassen, bevor etwas Irreversibles geschieht. Die Software macht jeden Schritt schneller und leichter zu zeigen, doch vorhersehbar wird das Ergebnis durch die Reihenfolge der Schritte. Dieser Artikel beschreibt den Ablauf, wie ich ihn für Praxen umsetze.
Welche Unterlagen das Labor braucht
Die Konstruktion beginnt mit Intraoralscans beider Kiefer und einem zuverlässigen Biss. Dazu kommen standardisierte Fotos: Gesicht lächelnd, Gesicht in Ruhe, Frontalaufnahme mit Wangenhaltern und seitliche Aufnahmen. Hat die Praxis einen Gesichtsscan, liefert er die zuverlässigste 3D-Referenz (siehe Gesichtsscan mit dem iPhone).
Die Notizen des Behandlers zählen so viel wie die Bilder. Sie sollten angeben, was der Patient ändern möchte, was bleiben muss, welche Behandlungen geplant sind und welche Einschränkungen gelten, etwa vorhandene Restaurationen, parodontale Situation, Okklusion und vorgesehene Werkstoffe. Fehlt etwas davon, muss das Labor Annahmen treffen, und in der Ästhetik sind Annahmen eine häufige Ursache für Neuanfertigungen.
Natürliche Proportionen statt Schablone
Sehr weiße, völlig gleichförmige Zähne werden noch immer gewünscht. In einem echten Gesicht wirken sie aber oft künstlich und altern schlecht. Die Konstruktionen, die Patienten annehmen und auch später mögen, folgen ihren eigenen Merkmalen: Proportionen, die zum Gesicht passen, individuelle Zahnformen mit etwas Charakterisierung sowie Farbe und Helligkeit passend zu Haut, Augen und Alter.
Auch der am wenigsten invasive Weg zählt. Wo es klinisch möglich ist, erhält eine Konstruktion auf Basis additiver oder minimalinvasiver Lösungen Zahnsubstanz. Ob ein No-Prep- oder Minimal-Prep-Vorgehen indiziert ist, entscheidet der Behandler, und die Konstruktion sollte zeigen, wie jede Option aussehen würde, damit diese Entscheidung getroffen werden kann.
Von der 2D-Analyse zum 3D-Wax-up
- Analysieren Sie die Fotos in 2D: Gesichtsmitte, horizontale Referenzen, Lachlinie und Zahnproportionen.
- Richten Sie Fotos oder Gesichtsscan an den Intraoralscans aus.
- Erstellen Sie das 3D-Wax-up im CAD, geführt von den 2D-Referenzen.
- Prüfen Sie Okklusion und Führung am Wax-up (siehe virtueller Artikulator und Jaw Motion).
- Präsentieren Sie den Vorschlag dem Behandler, der ihn mit dem Patienten bespricht.
In exocad läuft dieser Ablauf im Modul Smile Creator, das im Leitfaden zu exocad Smile Creator Schritt für Schritt beschrieben wird. Andere CAD-Plattformen bieten vergleichbare Werkzeuge.
Das Mock-up
Das Mock-up bringt die Konstruktion reversibel vom Bildschirm in den Mund. Der übliche Weg ist, ein Modell des Wax-ups zu drucken, darauf einen Silikonschlüssel herzustellen und diesen am Behandlungsstuhl mit provisorischem Material zu füllen. Eine dünne gedruckte Schale zum Einprobieren ist eine weitere Möglichkeit.
Der Patient sieht und spürt die neue Form, spricht damit und kann sie zu Hause zeigen. Der Behandler prüft Lippenstütze, Phonetik und Funktion. Eine Änderung der Konstruktion dauert in dieser Phase Minuten, während dieselbe Änderung nach der Eingliederung neue Restaurationen bedeutet.
Wenn sich der Zahnfleischverlauf ändern muss
Zähne, die kurz oder asymmetrisch wirken, sind manchmal ein Zahnfleischproblem. Sie über einem unveränderten Zahnfleischverlauf zu verlängern ergibt unproportionierte Zähne.
In der Konstruktion kann zuerst der neue Zahnfleischverlauf gezeichnet werden, und die Zahnformen entstehen darauf. Entscheidet der Behandler, dass eine Zahnfleischkorrektur indiziert ist, lässt sich aus dem geplanten Verlauf eine Schablone konstruieren, damit der Eingriff dem Plan folgt. Die Gingivektomie-Attachments, die ich dafür verwende, sind auf der Download-Seite kostenlos verfügbar.
Der zeitliche Ablauf wird mit der Praxis abgestimmt: zuerst die Zahnfleischkorrektur, dann die Heilung, dann die endgültigen Präparationen und Scans.
Warum Smile-Design-Fälle enttäuschen
Die meisten Enttäuschungen haben wenige Ursachen. Die Konstruktion entstand auf Scans ohne Gesichtsreferenzen. Der Patient hat ein Rendering freigegeben, das der Mund nicht umsetzen konnte, was ein Mock-up gezeigt hätte. Die Funktion wurde dem Aussehen geopfert. Der Zahnfleischverlauf wurde am Bildschirm geändert, ohne den klinischen Schritt zu planen. Oder die Zähne waren für dieses Gesicht schlicht zu weiß und zu gleichförmig.
Häufige Fragen
Was braucht das Labor für Digital Smile Design?
Intraoralscans mit zuverlässigem Biss, standardisierte Fotos (Gesicht lächelnd und in Ruhe, dazu eine Frontalaufnahme mit Wangenhaltern), wenn vorhanden einen Gesichtsscan und die Notizen des Behandlers dazu, was der Patient ändern möchte.
Was ist ein Mock-up?
Die vorübergehende Übertragung der geplanten Zahnformen in den Mund, meist mit einem Silikonschlüssel und provisorischem Material oder mit einer gedruckten Schale. Patient und Behandler beurteilen den Vorschlag vor jedem irreversiblen Schritt.
Kann das Labor eine Gingivektomie planen?
Das Labor kann den neuen Zahnfleischverlauf in der Konstruktion zeigen und daraus eine Schablone herstellen. Indikation und Durchführung des Eingriffs sind klinische Entscheidungen.
Warum bevorzugen viele Patienten heute ein natürliches Lächeln?
Sehr weiße, völlig gleichförmige Zähne wirken in einem echten Gesicht oft künstlich. Konstruktionen, die Proportionen, Alter und Charakter des Patienten folgen, werden leichter angenommen und wirken auch nach Jahren stimmig.